05.11.2016 | Austria

S&T AG : Turbulente Zeiten (Anleger Plus Magazin, 10/2016)

Eine Berg- und Talfahrt auf hohem Niveau erleben derzeit Anleger, die sich unserer Vorstellung der österreichischen S&T AG (ISIN AT0000A0E9W5) in der Juli-Ausgabe AnlegerPlus angeschlossen haben. Nachdem die Aktie unser letztes Kursziel von 12,- EUR fast erreicht hatte, stürzte das Papier bis auf rund 9,- EUR ab. Hintergrund der volatilen Entwicklung sind einige spektakuläre Unternehmensmeldungen.

TecDAX-Aufstieg und kleine Übernahme
Zunächst kam Anfang September die von uns erwartete Meldung, dass S&T in den TecDAX aufsteigt. Anfang Oktober dann der nächste Streich: S&T vermeldete den Kauf des Kundensegments „IT-Markt“ der Raiffeisen Informatik Gruppe. Dabei wurden Leistungen im Bereich Rechenzentrumsbetrieb, SAP-Consulting bzw. SAP-Betrieb erworben. S&T stärkt mit der Transaktion das Servicegeschäft der Systemhaussparte in Österreich und steigt zu den größten österreichischen Anbietern von Rechenzentrumsdienstleistungen auf. Die Anleger zeigten sich erfreut, die Aktie konnte deutlich zulegen.
Kapitalerhöhung und Kontron-Einstieg

Mitte September platzte dann die Bombe. S&T verkündete den Einstieg bei der Augsburger Kontron AG. Durch den Kauf von bis zu 29,9% der Kontron-Aktien (ISIN DE0006053952) aus dem Bestand der Investmentgesellschaften Triton und Warburg Pincus will S&T künftig Synergien mit dem Hersteller von Embedded-Computersystemen nutzen. Finanziert werden soll der rund 60 Mio. Euro teure Einstieg durch eine Kapitalerhöhung in Höhe von 10%. Damit bezahlt S&T rund 3,60 EUR je Kontron-Aktie. Neuer S&T-Aktionär wird die Ennoconn Corporation, eine Tochter des chinesischen Elektrogiganten Hon Hai Precision Industry, die die Kapitalerhöhung zu 10,03 EUR je Aktie gezeichnet hat. Bekannt in der Öffentlichkeit ist Hon Hai als Produzent von Apple iPhones unter der Marke Foxconn. Ennoconn hält nach dem Erwerb weiterer Aktien 29,4% an S%T.

Ein Wort zu Kontron
Doch ist der Kontron-Deal Erfolg versprechend? Immerhin war der S&T-Vorstandsvorsitzende Hannes Niederhauser einst als Kontron-Vorstand aktiv und führte das Unternehmen in den TecDAX. Nach Niederhausers Demission folgte der wirtschaftliche Niedergang des Unternehmens, das heute fast als Sanierungsfall gilt. Der jetzige Einstieg von S&T hat keinerlei bilanzielle oder finanzielle Auswirkungen auf die marode Bilanzstruktur, da S&T ja nur Aktien von anderen Kontron-Aktionären kaufte. Andererseits trauen wir Niederhauser aus mehreren Gründen zu, auch Kontron wieder zum Erfolg zu führen. Zum einen hat er in der Vergangenheit seine herausragenden Managementqualitäten mehrfach bewiesen, zum anderen ist er unserer Einschätzung nach noch immer gut im Kundenuniversum von Kontron vernetzt, sodass hier neues Vertrauen geschaffen werden dürfte.

Auf Hold
Alles in allem überwiegen aus unserer Sicht die Chancen auf eine erfolgreiche Kooperation die Risiken eines Scheiterns. Deshalb sollten engagierte S&T-Aktionären ihre Aktien weiter halten. Unser mittelfristiges Kursziel bleibt bei 12,- EUR bestehen, das Stop-Loss-Limit bei 7,- EUR ebenfalls. Einen Einstieg in die Kontron-Aktie halten wir derzeit noch für verfrüht.